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Aufschrei in der Weinwirtschaft – unsere Sicht auf die Lage

von Bettina Bäck
Leere Tische in der Gastronomie

Mit einem flammenden Appell wendet sich die Académie Internationale du Vin an die Staats- und Regierungschefs dieser Welt. Es ist eine wahrlich außergewöhnliche Initiative, denn die AIV, die aus rund 100 der renommiertesten Wein-Persönlichkeiten aus 20 Nationen besteht und als eine Art „Weisenrat“ des Weins gilt, leistet ihre Arbeit üblicherweise intern und hat sich noch nie in ihrem mehr als 50jährigen Bestehen öffentlich zu Wort gemeldet.

Wine+Partners erklärt die Hintergründe zum aktuellen Geschehen

Doch der Wein-Thinktank sieht dramatische Gefahren für die Branche, und überdies ist Eile geboten. Denn am 25. September, anlässlich der Generalversammlung der UNO zu deren 80. Jubiläum, wird den Staats- und Regierungschefs ein Akt zur Abstimmung vorgelegt.

Der Absatz im Programm der UNO Generalversammlung zur Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten und zur Förderung der psychischer Gesundheit klingt auf den ersten Blick gar nicht so dramatisch:

  • (e) reduce harmful use of alcohol by:

  • (i) banning or comprehensively restricting exposure to alcohol advertising;

  • (ii) restricting the physical availability of retailed alcohol; and

  • (iii) enacting and enforcing drink-driving laws;

Was aber hinter diesen vier Zeilen steht, und welche Kräfte am Werk sind, versetzt die Branche in Alarmzustand.

In Vorbereitung zur Abstimmung wurde in den letzten Monaten bereits eine Studie gestreut, die besagt, dass schon die geringste Menge an Wein eine Gefahr für die Gesundheit darstellt („no safe level“).

Während gleichzeitig andere Studien zum Ergebnis kommen, dass mäßiger Konsum von Wein für Männer und Frauen ab einem Alter von etwa 40 Jahren sogar der Gesundheit förderlich ist und zahlreiche Wissenschaftler und Mediziner sowie unabhängige Institutionen darauf hinweisen, dass die no-safe-level-Studie nicht korrekt durchgeführt und die Ergebnisse oberflächlich interpretiert wurden, hat die WHO im Januar 2023 dennoch eine entsprechende Warnung ausgegeben. Im Glauben an die Unabhängigkeit der WHO wurden entsprechende Pressetexte ungeprüft publiziert.

Parallel dazu arbeiten Sober-Lobbyisten aber bereits an Maßnahmen zur „Denormalisierung“ von Wein: Rückenetiketten, die auf Todesgefahr hinweisen, hohe Verbrauchssteuern, ein Verbot für Weinwerbung und vor allem eine Verbannung von Wein aus dem öffentlichen Raum - also kein Weinkonsum in einsichtigen Plätzen wie Restaurant-Terrassen, Schanigärten oder zur Straße geöffneten Lokalen. Eine Art weltweite Prohibition.

Was die AIV in ihrem Appell nun fordert, ist, dass die Staats- und Regierungschefs nicht für diese Forderungen stimmen, bevor nicht wirklich fundierte Daten vorliegen. Nur eine unabhängige, randomisierte Langzeit-Studie (wie etwa bei der Zulassung von Medikamenten) kann als Grundlage für gesetzliche Entscheidungen gelten, so die AIV.

Um ihre Stimme weise in die richtige Waagschale zu werfen, könnten sich die Staats- und Regierungschefs bis zum 25. September mit der detaillierten Präsentation der US-Medizinerin und Winzerstochter Laura Catena beschäftigen, die alle wissenschaftlichen Fakten zum Thema Wein & Gesundheit gesammelt hat.

Wine&Health Laura Catena
Wine&Health by Laura Catena

Der offizielle Appell der Académie Internationale du Vin an die Staats- und Regierungschefs:

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Bettina Bäck von Wine+Partners
Bettina Bäck
Senior Projektmanagerin

Keine Idee zu groß, kein Detail zu klein: Bettina begeistert mit ihrer Hingabe für Genuss. Mit jahrelanger Erfahrung in Public Relations meistert sie auch komplexe Aufgaben stets mit Leichtigkeit und viel Gefühl. Wenn sie die Geschichten ihrer Kund:innen erzählt, hört man gerne zu und Bettina schafft es stets, neugierig zu machen, denn ihre Leidenschaft ist ansteckend und inspirierend. Heute betreut sie die wohl renommiertesten Namen wie Baur au Lac in der Schweiz, die innovativen Spitzenköch:innen der JRE, gesamte Weinbauregionen wie Vinhos Verdes in Portugal und aufstrebende Weingüter auf der ganzen Welt. 

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