So visionär ist Carnuntum
Im Weinbaugebiet im Osten Österreichs wird Herkunftsgeschichte gemeinsam erzählt. Mit innovativen Event-Formaten, einer jungen Heurigenkultur und frischen Weinstilen zeigt Carnuntum auf, wie Zukunft aktiv gestaltet werden kann.
Es stimmt gar nicht, dass junge Menschen weniger Wein trinken. Sie machen es nur aus anderen Gründen und mit anderen Interessen als ältere Menschen. Zu dieser Erkenntnis kam jüngst die britische Rechercheplattform IWSR.
Ältere Menschen genießen Wein zum Entspannen, jüngere Menschen nützen Wein zum Connecten. Gerade in Zeiten der digitalen Isolation ist Wein ein wichtiges Medium für Gemeinschaft, Freundschaften und Feierstimmung.
In Carnuntum hat man dies schon lange geahnt. Mit der legendären White Wine Fashion haben die Carnuntum Winzer schon in den frühen 2000er-Jahren fröhliche Genuss-Events rund um Wein geschaffen und damit ein starkes Zeichen gesendet.
Carnuntum Experience 2.0
Während damals mehrere hundert Jugendliche und Junggebliebene ganz in Weiß zum Abtanzen ins Amphitheater und in den Römersteinbruch pilgerten, sind die neuen Formate der Carnuntiner kleiner, ruhiger und mehr auf den sozialen Austausch und auf das Eintauchen in die Materie ausgerichtet. An je einem Wochenende im Mai, Juni und Juli organisierten die Carnuntum Winzer zum Beispiel entspannte Experience-Nachmittage in Prellenkirchen, Höflein und Göttlesbrunn: Liegestühle statt lauter Vibes, vegetarische Gerichte statt Schnitzelsemmel, Vertikal-Degustationen mit Diskussionen. „Unsere Veranstaltungen in den besten Rieden des Gebietes haben die jungen Interessierten abgeholt“, erklärt Tina Netzl.
„Es gab viele Fragen und Gespräche – es ist ein großes Vergnügen mit den jungen KonsumentInnen zu kommunizieren.“
Neben diesen gemeinschaftlichen Events der Gruppe der Rubin Carnuntum Weingüter wurden und werden zahlreiche kleinere Veranstaltungen der einzelnen Produzenten durchgeführt. Die Familie Gerhard Markowitsch lud zum Hof-Bistro ins Weingut, das Weingut Glatzer eröffnete das Pop-Up „Dolce Vita, Schweinsbraten & Amore“, Daniela Raser organisierte Rock am Weingut und Dorli Muhr eine ganze Reihe „Konzerte in der Wiese“.
Heuriger ist in. Mehr denn je.
Besonders interessant ist auch ein neuer Heurigen-Hype. „Junge Leute lieben den Heurigen, denn hier bekommen sie genau das, was sie suchen: kleine Gerichte, ungezwungenen Genuss, große Tische für die ganze Freundesrunde, leistbare Preise“, sagt Victoria Gottschuly, die seit ein paar Jahren in ihrem Elternhaus in Höflein einen Heurigen mit feinen kleinen Gerichten – viele davon auch vegetarisch – aufgezogen hat. Bei ihren Aussteckterminen sind oft schon Wochen im Voraus alle Tische ausgebucht.
Ähnlich erfolgreich ist der Heurige von Stephanie Böheim. „Unsere Termine sind superschnell voll. Und das Beste: Mittlerweile verkaufen wir fast 30% unserer Weine beim Heurigen. Das ist effizient, und sowohl ökonomisch als auch ökologisch nachhaltig.“
Rotweinkrise? Echt?
„Der große Weinboom der letzten drei Jahrzehnte ist abgeflaut“, erklärt Gerhard Markowitsch. Aber das war keine Überraschung, sondern war schon länger abzusehen und hat bei aufmerksamen Produzenten längst zu Anpassungen geführt.
Lukas Markowitsch meint dazu: „Auch Winzer können nicht einfach nur darauf losproduzieren, sondern müssen den Markt und seine Wünsche im Auge haben. Wir haben schon seit geraumer Zeit unsere Stilistik von mächtigen auf feinere Weine umgestellt, und bei jenen Sorten reduziert, die vor allem schwere Rotweine hervorbringen.“ Eine Entwicklung, die in Carnuntum schon seit mehr als zehn Jahren zu beobachten war.
Grundsätzlich wird ein Mengenrückgang im Weinkonsum in allen Farben und Segmenten bestätigt, am meisten aber bei Weinen, die wenig Alleinstellungmerkmale haben.
„Weine müssen eine Geschichte erzählen, über ihre Herkunft, die Böden, die Lagen. Vereinfachen und simplifizieren ist keine Lösung, denn guter Wein ist komplex, und gerade junge Menschen möchten in das Mysterium der Herkunft eintauchen und es verstehen.“
Gemeinsame Geschichte erzählen
„Die Entscheidung, in die Lagenklassifizierung der Österreichischen Traditionsweingüter einzusteigen, war goldrichtig“, ist sich Philipp Grassl sicher. Damit haben die Carnuntiner Winzer eine klare gemeinsame Botschaft, und stellen die Lagen-Rotweine von Carnuntum ganz selbstverständlich auf Augenhöhe mit den besten Weißweinen der Gebiete nördlich der Donau.
„Der allgemein beklagte Konsumrückgang trifft uns nicht so hart, weil die jungen KonsumentInnen eher zu hochwertigen Weinen greifen“, bestätigt Hanna Glatzer, die erfolgreich ihre eigene Linie „Hanna macht Wein“ eingeführt hat. Naturalweine, die leistbar, aber nicht billig sind. Je mehr man darüber erzählen kann, umso größer der Zuspruch, denn junge Generationen wollen bewusst und sinnvoll konsumieren.
Die nächsten Termine zum Connecten:
Samstag, 19. September: Fiesta Mexicana
Mexico trifft Göttlesbrunn am Weingut Glatzer
Sonntag, 11. Oktober: Spitzerberg-Release in Edelstal
12 Weingüter und ihre jüngsten Jahrgänge.
Tickets um 25 Euro
Freitag, 23. Oktober: Tour de Vin
Alle 20 Carnuntum Traditionsweingüter in Höflein zu Gast
Tickets um 30 Euro
Samstag, 14.+ Sonntag, 15. November: Lepoldigang in Göttlesbrunn
Tickets um 30 Euro