Magic Moment für Heidi Schröck bei Süßweingipfel
Die zweiteilige Masterclass „Late Harvest United“ auf Schloss Johannisberg (Geisenheim, Deutschland) gilt als Gipfeltreffen der besten Süßweinregionen der Welt – darunter auch das Burgenland. Die Ruster Winzerin Heidi Schröck und weitere Granden der Szene plädierten in diesem Rahmen für mehr Mut zur Süße, besonders als Begleitung zu würzigen und aromatischen Speisen. Ihre Botschaft: Das Comeback des Süßweins ist längst überfällig.
„Tokaj, Sauternes, die deutschen Flusstäler und Rust: In dieser Liste genannt zu werden, ist eine große Anerkennung für den Süßwein vom Neusiedler See“, freut sich Heidi Schröck nach der Sweet Wine Masterclass „Late Harvest United“. Im ersten Teil des Gipfeltreffens, mit dem Schloss Johannisberg den 250. Geburtstags der Spätlese zelebrierte, widmeten sich fünf Weingüter und rund 70 Fachgäste den besten Süßweinen der Welt.
Moderatorin Lin Liu, Master of Wine, präsentierte dabei Auslesen, Spätlesen, Eiswein und mehr. Gastgeber Schloss Johannisberg servierte den Ex-Bibliotheca Cuvée „100“, der die besten Spätlesen zwischen 1915 und 2015 vereint und das Lagerpotenzial süßer Weine eindrucksvoll demonstriert.
Ruster Süßwein mit Ikonen-Status
Vier der besten Süßwein-Produzent:innen waren bei „Late Harvest United” vertreten:
Gastgeber Schloss Johannisberg aus dem Rheingau, Deutschland
Château Suduiraut aus Sauternes, Frankreich
Disznókő aus Tokaj, Ungarn
Weingut Heidi Schröck & Söhne aus Rust am Neusiedler See, Österreich
Als Zeichen an den chinesischen Weinmarkt, auf dem Süßweine hoch im Kurs stehen, präsentierte Lin Liu MW zudem einen Eiswein des Château Changyu.
„Als wir 1991 den Cercle Ruster Ausbruch, der Vorgänger-Organisation des Ruster Ausbruch DAC, ins Leben gerufen haben, war genau das unser Traum: An einer Tafel mit den wichtigsten Süßwein-Regionen der Welt zu sitzen. Dort gehören die Weine vom Ost- und Westufer des Neusiedler Sees auch hin.“
Der perfekte Speisebegleiter – aber nicht zur Nachspeise
Beim zweiten Teil von Late Harvest United auf Schloss Johannisberg, der unter dem Motto „Sweet Wine & Fine Dining“ stand, drehte sich alles um das richtige Food Pairing. Am Menü stand etwa Riesling Spätlese 1964 zu geschmorter Rehkeule, Eiswein zu Blauschimmel-Créme und Tapenade. Heidi Schröcks Beerenauslese „Anthologie“ Non-Vintage, einer Cuvée der Jahre 2014 bis 2022, harmonierte mit gegrillter Tristan Languste, Urkarotte und Chicorée.
In der Gastronomie findet man Süßwein oft nur als Dessertwein. „Süßer Wein zu üppigen Nachspeisen ist eine Themenverfehlung“, meint die Expertin.
„Die Süße des Weines als Kontrast zur Bitterkeit der Olive oder des Chicorées, zu salzigen Meeresfrüchten oder würzigem Curry funktioniert hervorragend. Zuhause wie in der Gastronomie sollte Süßwein unbedingt wieder öfter eingesetzt werden – aber eben in der richtigen Kombination. Nur Mut!“
Ein Plädoyer für den Süßwein – am besten vom Neusiedler See
Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist Süßwein heute kein Massenphänomen mehr, sondern eine „süße kleine Nische“, wie Schröck es formuliert. Anhänger:innen hat diese Stilistik auf der ganzen Welt, neben China gibt es auch in den USA, Großbritannien, der Schweiz oder Skandinavien vitale Märkte und eine hohe Nachfrage. Connaisseur:innen wissen in der Regel auch die harte Arbeit zu schätzen, die in jeder Flasche steckt.
„Der Süßwein hat völlig zu Unrecht ein Image-Problem. Hier gilt es Überzeugungsarbeit zu leisten, denn wenn man die Leute erst einmal dazu bringt, Süßweine zu probieren, ist die überwältigende Mehrheit begeistert und die Flasche meist schnell leer.“
Ruster Ausbruch: Flüssiges Gold mit Jahrhunderten Tradition
Der Ruster Ausbruch zählt unbestritten zu den prestigeträchtigsten Süßweinen der Welt, seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1479 zurück. Am kaiserlichen Hof war das „Flüssige Gold“ vom Neusiedler See so beliebt, dass Leopold I. Rust im Austausch gegen einige Fässer Ausbruch den Titel „Freistadt“ verlieh. Sogar die Titanic hatte einige Flaschen Ruster Ausbruch an Bord.
Das harmonische Zusammenspiel von Süße und Säure zeichnet die Prädikatsweine vom Neusiedler See aus: Der Restzucker verleiht ihnen einen kraftvollen Körper, dank frischer Säure wirken sie dabei zugleich leichtfüßig, elegant und animierend. Getrocknete Früchte, Aromen von Quitte und Marille sowie ein Hauch Exotik verbinden sich zu einer weltweit einzigartigen Charakteristik.
Drei Weine, vier Rezepte: Neugierige Gaumen werden belohnt
Inspiriert von Late Harvest United möchte Heidi Schröck die Vielseitigkeit von Süßwein möglichst vielen Menschen näherbringen. Dafür hat sie gemeinsam mit ihren Söhnen Georg und Johannes ein Genießer-Set aus drei Weinen und vier Rezepten entwickelt. Welche Speisen Familie Schröck zu ihren Weinen empfiehlt, ist hier nachzulesen:
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Über das Weingut Heidi Schröck & Söhne
Am Westufer des Neusiedler Sees in Rust bewirtschaftet Heidi Schröck mit ihren Söhnen Georg und Johannes 10 Hektar Rebfläche. Die Familie blickt auf über 300 Jahre Tradition im Weinbau zurück, Heidi Schröck produziert seit 1983 Wein. Ihr Herz schlägt für den Furmint, die wichtigste Sorte in der Storchenstadt Rust. Und natürlich für den Ruster Ausbruch, einer der geschichts- und prestigeträchtigsten Süßweine der Welt. 1991 gründete sie mit Kolleg:innen den Cercle Ruster Ausbruch, den Vorgängerverein des Ruster Ausbruch DAC.