Der Jahrgang 2017 beweist alles
Der Weinviertler Weinmacher hat seinen Standpunkt eindrucksvoll bewiesen, am deutlichsten im Jahr 2017, dem heißesten Jahrgang, seit Herbert und Carmen Weine entstehen lassen. Es war ein stressreiches Jahr, voller Unsicherheiten. Aber am Ende kamen Weine von umwerfender Schönheit in die Flasche. Vor allem der Grüne Veltliner Radikal 2017 hat Begeisterung ausgelöst, Zillinger sagt selbst: „Einer der schönsten Weine, die ich jemals in die Flasche gefüllt habe“. Und fügt hinzu: „Seitdem bin ich ein bisserl entspannter, was die Klimaerwärmung betrifft, weil ich weiß, dass mein Zugang funktioniert.“
Das Zauberwort, das solche Ergebnisse möglich macht, lautet „Balance“. Wenn die Böden ihre natürliche Lebendigkeit behalten, dann wachsen auf ihnen Pflanzen, die fit und vital sind, die sich dem Standort angepasst haben und sich gewissermaßen selber zurechtfinden.
„Die Pflanzen gehen weg von vegetativem Wachstum, hin zu generativem Wachstum“, erklärt Zillinger, „immer öfter müssen wir im Frühling und Sommer keine Laubarbeit mehr machen.“ Wenn die Laubwand locker ist, dann erhalten die Pflanzen das richtige Ausmaß an Sonne. Die Folgen: Die Trauben bilden viel Kerne aus. Auf die legt Zillinger besonders Wert: „Das Schlatzige rund um jeden Traubenkern ist das Geschmackvollste. Je mehr Kerne ausgebildet werden, desto besser.“ Mehr Kerne resultieren auch in höheren Säurewerten. Feine Säure bei hoher Traubenreife, dazu eine intensive Aromatik – so finden die Weine jene Balance, die ihnen auch in heißen Jahren Frische und Finesse bei moderatem Alkoholgehalt verleiht.
Diese Art der Weingartenarbeit hat ab dem Jahrgang 2016 erstmal spürbar Früchte getragen. Mit dem Jahrgang 2017 wurde dann beweisen, dass Grüner Veltliner in heißen Jahren sogar besonders schön werden kann. „Ich behaupte: Der Grüne Veltliner kommt wunderbar mit Trockenheit und Hitze zurecht – wenn die Bedingungen für ihn passen. Wenn nicht, dann wird er tatsächlich: hantig, dünn, grauslich.“
Wenn hingegen die Umstände stimmen, brauchen die Weinberge auch keine Bewässerung. Viele andere Winzer greifen mittlerweile zu diesem Mittel, um die trockenen Sommer zu überstehen. Für Zillinger kommt das nicht in Frage: „Für mich ist das kein Herkunftswein mehr. Durch die Bewässerung wandern die Wurzeln in den Oberboden, statt sich in die Tiefe zu entwickeln. Terroir bedeutet auch, dass man den Unterschied zwischen trockenen und feuchten Jahrgängen schmecken muss.“