Junger Fassbinder mit Vision: Manuel Schön
Während das Handwerk der Fassbinder global schrumpft, hat das Traditionsgewerbe in Österreich einige berühmte Marken hervorgebracht. Holzfässer aus Österreich sind international gefragt und in den prominentesten Weingütern weltweit anzutreffen. Eine kleine Fassbinderei aus Niederösterreich könnte der nächste Star am Weinfasshimmel sein.
Die Nachfrage nach österreichischen Fässern ist so hoch wie nie. Auch die Fassbinderei Schön in Sitzenberg-Reidling lebt seit mehr als 90 Jahren davon, aus fein selektiertem Holz perfekte Behältnisse für feine Weine zu kreieren. Doch die Weinwelt ist in Bewegung, Menschen trinken heute anders als noch vor zehn oder 20 Jahren. Dominante Holztönewerden nicht mehr so gesucht – Frucht und Frische sind der neue Standard.
Manuel (29), selbst ein Vertreter der jungen Generation von Weinliebhabern, die präzise Frucht und feine Aromatik lieben, stellt sich genau dieser Herausforderung mit einem neuartigen Konzept. Sein Ziel war, ein Holzfass zu kreieren, das dieser zeitgenössischen Stilistik Rechnung trägt, dabei aber gleichzeitig die unbestrittenen Qualitäten des Ausbaus im Holz einzuflechten. Nach mehreren Jahren der Entwicklung, hat Schön mit seinem „Hybridfass“ eine innovative Antwort auf eine der brennenden Fragen der Weinbranche gefunden.
Schön erfindet das Rad nicht neu – aber das Weinfass schon
Die neueste Kreation aus dem Hause Schön: ein Fass, das die Vorteile des klassischen Holzfasses und den stilistischen Einfluss alternativer Gefäße wie Ton-Amphoren, Betoneiern oder Steinbehältern vereint.
Das Fass: Duett aus Holz und Stein
Nach ausführlicher Entwicklungs- und Testphase unter anderem mit Projektweinen junger Winzer:innen (2024), ist das „Hybridfass“ der Familie Schön nun reif für den Markt. Klassische Eichenholz-Dauben werden mit Steinplatten-Böden kombiniert. So entsteht ein neuartiger Reifeprozess, die ein uniques Aromaprofil garantiert. Das Fass verbindet zwei Materialien, die seit Jahrhunderten im Weinbau existieren, aber selten miteinander in Verbindung gebracht werden.
Das Holz
Für das Holz der Dauben greift die Fassbinderei Schön zu Eichen aus Österreich, Frankreich, Deutschland oder Kroatien. Ein sanftes Toasting des Holzes bei 140 Grad und nachfolgend das Abtragen der ersten Schicht bietet Struktur, ohne aufdringlichen Noten.
Der Stein
Der Boden der Hybridfässer besteht aus Steinplatten: Regional gedacht, fiel die Wahl auf Schiefer und Granit. „Der Stein ist das ruhende Element. Er lässt kaum Sauerstoff durch, erfordert kein Toasting und gibt dem Wein die Möglichkeit, sich in Ruhe zu sammeln. Er bringt Klarheit, manchmal sogar eine subtile Salzigkeit“, erklärt Fassbinder Manuel Schön.
Die Kombination aus Holz und Stein wird je nach Kund:innenwunsch maßgeschneidert hergestellt. Verschiedene Holzarten, Toastings und Steinarten stehen zur Verfügung. Wenn der Einfluss des Holzes nachlässt, kann das Hybridfass neu eingedeckt werden: der Holzkörper wird erneuert, während der Stein bleibt. Ein Ansatz, der auch Schöns nachhaltige und Ressourcen schonende Philosophie widerspiegelt.
Das Ergebnis: Neue Stilistik für moderne Weine
Die Besonderheiten des Hybridfasses lassen sich leicht erkennen: Das Fass ermöglicht einen reduktiveren Ausbau, da die Steinplatten deutlich weniger Sauerstoff durchlassen als Holzböden. Es entstehen Weine, die frischer und klarer im Ausdruck sind, aber durchaus auch die gewünschte Aromatik der Holzreifung bieten.
Das Hybridfass in Barrique-Größe kostet rund 1.200 Euro. Durch den Steineinsatz ist dieses mit 88 Kilogramm rund ein Drittel schwerer als das herkömmliche 225 Liter Fass.
Die Zukunft: Handwerk neu gedacht
„Das Hybridfass in seiner jetzigen Form ist erst der Anfang“, erklärt Manuel Schön. „Bereits jetzt erreichen uns Anfragen für Fässer mit Marmoreinsatz oder sogar Gärbehälter mit Betondeckeln. Es ist schön zu sehen, wie wir unser Handwerk mit frischem Wind in die Zukunft führen können.“ Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt, es können unterschiedlichste Materialien eingesetzt werden.
Downloads