Riedenweine quo vadis? Das Kremstal will’s wissen
Zum ersten Mal bewertete eine Jury aus renommierten Expert:innen die besten Einzellagenweine aus dem Kremstal. Aus rund 120 Einreichungen von 34 Weingütern wurden die Top 5 Rieslinge und Grünen Veltliner der Jahrgänge 2023 und 2024 ermittelt. Die künftig jährlich stattfindende Riedenweinkost sollte das Entwicklungspotenzial der Kremstaler Lagen langfristig nachvollziehbar machen, ihr Profil schärfen und zugleich die einzigartige Vielfalt des Weinbaugebiets aufzeigen.
Herkunft hat Zukunft. Davon sind die Kremstaler Winzer:innen überzeugt. „Aber um diese zu gewährleisten, ist es notwendig, dass Herkunft nachvollziehbar bewertet wird“, sagt Leopold Müller, Obmann des Regionalen Weinkomitees Kremstal.
Das Potenzial der Einzellagen
Diese tiefgehende Auseinandersetzung mit der Lagen-Thematik gipfelte nun in der ersten Riedenwein-Verkostung. Alle namhaften Winzer:innen des Kremstals reichten dafür rund 120 Weine aus 36 Einzellagen ein. „Mit einer so großen Resonanz haben wir nicht gerechnet. Das zeigt nicht nur, dass die Kremstaler Winzer:innen an einem Strang ziehen, sondern auch, dass es ein gemeinsames Anliegen ist, das Entwicklungspotenzial der Kremstaler Rieden langfristig zu beobachten und daraus Entscheidungen für die Zukunft abzuleiten“, freut sich Müller.
Eine hochkarätig besetzte Jury mit Vertreter:innen aus Handel, Sommellerie und Fachpresse verkostete und bewertete die Weine nach dem 20-Punkte-Schema in einem mehrstufigen Blindtasting, das am 3. November im Weinkompetenzzentrum in Krems stattfand. Aus den eingereichten Weinen wurden zunächst in zwei Gruppen die Finalisten ermittelt, die dann erneut vom gesamten Panel bewertet wurden.
„Mit dieser Verkostung gibt es erstmals die Möglichkeit, die Kremstaler Einzellagen separat und in all ihrer Vielfalt zu verkosten. Damit können wir auch zeigen, wie sehr die Riedenweine von Reife profitieren“, sagt Marlies Hanke vom Weingut Müller-Grossmann. Im Fokus standen die Jahrgänge 2023 und 2024. „Während sich der vergleichsweise frühe Jahrgang 2024 fruchtig und frisch präsentiert, ist 2023 voluminöser und eleganter – allen Weinen gemein ist die für das Kremstal typische Mineralik“, so die Winzerin.
Riedenwein-Ranking
Aus der Finalverkostung gingen dann die besten fünf Weine aus beiden Sorten und Jahrgängen hervor. Beim Grünen Veltliner haben sich die Lösslagen in Krems, Rohrendorf und Gedersdorf, wie Weinzierlberg, Gebling und Vordernberg, besonders gut geschlagen. Nicht überraschend ist es, dass sich die Rieslinge in den Urgesteinslagen im nördlichen und westlichen Teil des Gebiets, wie Pfeningberg in Senftenberg sowie Grillenparz und Schreck in Stein, hervorgetan haben, wobei aber auch einige Rieden südlich der Donau, wie Leiten in Krustetten und Schiefer in Hollenburg, punkten konnten. Auffallend ist, dass sich in den Top-Rängen fast ausschließlich 1ÖTW-Lagen und einige weitere Rieden, die in die gesetzliche Klassifikation übernommen werden sollen, befinden.
Top 5 Grüner Veltliner 2023
Ried Wachtberg in Krems & Stein, Winzer Krems, Krems
Ried Spiegel in Gedersdorf, Weingut Eder, Gedersdorf
Ried Obere Sandgrube in Krems, Winzer Krems, Krems
Ried Holzgasse in Krems, Weingut Lukas Hagen, Krems-Rehberg
Ried Frechau 1ÖTW in Krems, Weingut Türk, Stratzing
Top 5 Grüner Veltliner 2024
Ried Weinzierlberg 1ÖTW in Krems, Weingut Stadt Krems, Krems
Ried Hintere Point 1ÖTW in Furth, Weingut Petra Unger, Furth-Palt
Ried Gottschelle 1ÖTW in Furth, Weingut Stift Göttweig, Furth-Göttweig
Ried Gebling 1ÖTW in Krems & Rohrendorf, Weingut Thiery-Weber, Rohrendorf
Ried Vordernberg in Gedersdorf, Weingut Philipp Bründlmayer, Grunddorf ex aequo mit Ried Gaisberg in Furth, Weingut Parzer, Oberfucha
Top 5 Riesling 2023
Ried Pfeningberg 1ÖTW in Senftenberg, Weingut Familie Proidl, Senftenberg
Ried Schiefer in Krems, Weingut Forstreiter, Hollenburg
Ried Leiten in Krustetten, Winzerhof Dockner, Höbenbach
Ried Altenburg in Stein, Weingut Lukas Hagen, Krems-Rehberg
Ried Wachtberg 1ÖTW in Krems & Stein, Weingut Türk, Stratzing
Top 5 Riesling 2024
Ried Grillenparz 1ÖTW in Stein, Weingut Stadt Krems, Krems
Ried Weinzierlberg in Krems, Weingut Zöhrer, Krems
Ried Schreck 1ÖTW in Stein, Weingut Stadt Krems, Krems
Ried Moosburgerin in Gedersdorf, Weingut Philipp Bründlmayer, Grunddorf
Ried Pfaffenberg, Winzer Krems, Krems
Beeindruckender Facettenreichtum
Das Kremstal ist in jeder Hinsicht besonders. „Die Weingüter sind zu 100 Prozent in Familienhand, wir haben eine sehr gute Genossenschaft und eine überaus engagierte Jugend“, führt Leopold Müller aus. Mit der Initiierung der Riedenweinkost setzt die engagierte wie dynamische Winzerschaft ein Statement und schafft eine Plattform für den langfristigen Austausch. Zudem wird mit der Verkostung Vorarbeit für die gesetzliche Lagenklassifizierung geleistet.
Das Kremstal ist Vielfalt pur. Die Topografie mit der Weinkulturstadt Krems im Zentrum, der Donau als Lebensader und den nördlich und südlich des Flusses ansteigenden Erhebungen schaffen eine diverse Landschaft. Sie zeichnet sich durch unterschiedliche Kleinklimata und geologische Besonderheiten aus. Urgestein und markante Steinterrassen, Löss, Konglomerat, Donauschotter oder Schwarzerde sowie extreme Höhenunterschiede auf kürzester Strecke sind das Alleinstellungsmerkmal dieses Weinbaugebiets.
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