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Riedenweine quo vadis? Das Kremstal will’s wissen

von Marion Topitschnig
Kremstal, Riedenweinkost 2025 - Winzer:innen und Jury im Weingarten

Zum ersten Mal bewertete eine Jury aus renommierten Expert:innen die besten Einzellagenweine aus dem Kremstal. Aus rund 120 Einreichungen von 34 Weingütern wurden die Top 5 Rieslinge und Grünen Veltliner der Jahrgänge 2023 und 2024 ermittelt. Die künftig jährlich stattfindende Riedenweinkost sollte das Entwicklungspotenzial der Kremstaler Lagen langfristig nachvollziehbar machen, ihr Profil schärfen und zugleich die einzigartige Vielfalt des Weinbaugebiets aufzeigen.

Herkunft hat Zukunft. Davon sind die Kremstaler Winzer:innen überzeugt. „Aber um diese zu gewährleisten, ist es notwendig, dass Herkunft nachvollziehbar bewertet wird“, sagt Leopold Müller, Obmann des Regionalen Weinkomitees Kremstal.

Das Potenzial der Einzellagen

Diese tiefgehende Auseinandersetzung mit der Lagen-Thematik gipfelte nun in der ersten Riedenwein-Verkostung. Alle namhaften Winzer:innen des Kremstals reichten dafür rund 120 Weine aus 36 Einzellagen ein. „Mit einer so großen Resonanz haben wir nicht gerechnet. Das zeigt nicht nur, dass die Kremstaler Winzer:innen an einem Strang ziehen, sondern auch, dass es ein gemeinsames Anliegen ist, das Entwicklungspotenzial der Kremstaler Rieden langfristig zu beobachten und daraus Entscheidungen für die Zukunft abzuleiten“, freut sich Müller.

Eine hochkarätig besetzte Jury mit Vertreter:innen aus Handel, Sommellerie und Fachpresse verkostete und bewertete die Weine nach dem 20-Punkte-Schema in einem mehrstufigen Blindtasting, das am 3. November im Weinkompetenzzentrum in Krems stattfand. Aus den eingereichten Weinen wurden zunächst in zwei Gruppen die Finalisten ermittelt, die dann erneut vom gesamten Panel bewertet wurden. 

„Mit dieser Verkostung gibt es erstmals die Möglichkeit, die Kremstaler Einzellagen separat und in all ihrer Vielfalt zu verkosten. Damit können wir auch zeigen, wie sehr die Riedenweine von Reife profitieren“, sagt Marlies Hanke vom Weingut Müller-Grossmann. Im Fokus standen die Jahrgänge 2023 und 2024. „Während sich der vergleichsweise frühe Jahrgang 2024 fruchtig und frisch präsentiert, ist 2023 voluminöser und eleganter – allen Weinen gemein ist die für das Kremstal typische Mineralik“, so die Winzerin.

Die Verkostung wurde vom Regionalen Weinkomitee Kremstal initiiert (Mitglieder des Marktetingausschusses v.l.): Meinhard Forstreiter, Artur Toifl (Weingut Thiery-Weber), Obmann Leopold Müller, Philipp Bründlmayer und Wolfgang Hamm (Winzer Krems)
Die Verkostung wurde vom Regionalen Weinkomitee Kremstal initiiert (Mitglieder des Marktetingausschusses v.l.): Meinhard Forstreiter, Artur Toifl (Weingut Thiery-Weber), Obmann Leopold Müller, Philipp Bründlmayer und Wolfgang Hamm (Winzer Krems) © Robert Herbst / POV

Riedenwein-Ranking

Aus der Finalverkostung gingen dann die besten fünf Weine aus beiden Sorten und Jahrgängen hervor. Beim Grünen Veltliner haben sich die Lösslagen in Krems, Rohrendorf und Gedersdorf, wie Weinzierlberg, Gebling und Vordernberg, besonders gut geschlagen. Nicht überraschend ist es, dass sich die Rieslinge in den Urgesteinslagen im nördlichen und westlichen Teil des Gebiets, wie Pfeningberg in Senftenberg sowie Grillenparz und Schreck in Stein, hervorgetan haben, wobei aber auch einige Rieden südlich der Donau, wie Leiten in Krustetten und Schiefer in Hollenburg, punkten konnten. Auffallend ist, dass sich in den Top-Rängen fast ausschließlich 1ÖTW-Lagen und einige weitere Rieden, die in die gesetzliche Klassifikation übernommen werden sollen, befinden.

Top 5 Grüner Veltliner 2023

Top 5 Grüner Veltliner 2024

Top 5 Riesling 2023

Top 5 Riesling 2024

Blick auf die RIed Pfeningberg
Blick auf die RIed Pfeningberg © Robert Herbst / POV

Beeindruckender Facettenreichtum

Das Kremstal ist in jeder Hinsicht besonders. „Die Weingüter sind zu 100 Prozent in Familienhand, wir haben eine sehr gute Genossenschaft und eine überaus engagierte Jugend“, führt Leopold Müller aus. Mit der Initiierung der Riedenweinkost setzt die engagierte wie dynamische Winzerschaft ein Statement und schafft eine Plattform für den langfristigen Austausch. Zudem wird mit der Verkostung Vorarbeit für die gesetzliche Lagenklassifizierung geleistet.

Das Kremstal ist Vielfalt pur. Die Topografie mit der Weinkulturstadt Krems im Zentrum, der Donau als Lebensader und den nördlich und südlich des Flusses ansteigenden Erhebungen schaffen eine diverse Landschaft. Sie zeichnet sich durch unterschiedliche Kleinklimata und geologische Besonderheiten aus. Urgestein und markante Steinterrassen, Löss, Konglomerat, Donauschotter oder Schwarzerde sowie extreme Höhenunterschiede auf kürzester Strecke sind das Alleinstellungsmerkmal dieses Weinbaugebiets.

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Team Marlies Auer
Marlies Auer
Head of Content

Kompetent, analytisch und blitzgescheit – zugleich witzig, verbindend und gesellig: Mit Marlies hat Wine+Partners eine Frau mit Weitblick und ausgeprägter Wein- und Genusskompetenz im Team. Als Wein- und Diplom-Biersommelière studierte sie International Wine Business und sammelte internationale Erfahrung in einer Digitalagentur im Napa Valley. In der digitalen Welt fühlt sich Marlies ebenso zu Hause wie in der Welt von Wein und Bier – eine Kombination, die sie in ihrer Arbeit gekonnt verbindet. In ihrer Freizeit ist sie stets auf der Suche nach den schönsten Plätzen dieser Erde – am liebsten zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch per Boot.