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Wein News Erfolgsgeschichten

Michael Malat wird neuer Obmann der ÖTW

von Lydia Schima
Michael Moosbrugger übergibt an Michael Malat Obamannschaft von ÖTW
Michael Moosbrugger übergibt den ÖTW-Vorsitz an Michael Malat

Nach zwei Jahrzehnten an der Spitze der Österreichischen Traditionsweingüter übergibt Michael Moosbrugger die Position des Obmanns mit Jahresende. Sein Nachfolger will die von den ÖTW entwickelte Lagenklassifikation nun noch stärker in die Welt tragen. Sein Credo: internationale Sichtbarkeit, neue Formate und eine breiter getragene Verantwortung.

Es ist ein Generationswechsel mit ungewöhnlich langer gemeinsamer Vorgeschichte: Anfang 2027 übernimmt Michael Malat den Vorsitz der Österreichischen Traditionsweingüter (ÖTW) von Michael Moosbrugger. Malat begleitet die Entwicklung der Vereinigung seit rund 20 Jahren im Vorstand; sein Vater Gerald gehörte 1991 zu den Gründungsmitgliedern. Michael Moosbrugger hat die ÖTW seit 2007 von einer regionalen Bewegung zu einer nationalen Bedeutung entwickelt und war in dieser Zeit eine prägende Stimme für Herkunft im österreichischen Wein. Die Übergabe markiert deshalb nicht nur einen Wechsel an der Spitze, sondern bedeutet Kontinuität und weitere Entwicklung auf internationaler Ebene hinsichtlich Sichtbarkeit und Öffnung für neue Zielgruppen.

Michael Malat
© Anna Stöcher

„Wenn ich die ÖTW in einem Wort beschreiben müsste, wäre es Herkunft. Sie verbindet unsere Mitglieder, und auch Tradition mit Zukunft. Wir schätzen das Wissen der Generationen vor uns und bauen darauf auf. Unsere Verantwortung ist es aber, dieses Fundament so weiter zu stärken, dass es auch für die nächste Generation trägt.“

Michael Malat, designierter Obmann der Österreichischen Traditionsweingüter

Ein Fundament, das den österreichischen Wein verändert hat

Als Michael Moosbrugger 2007 die Führung übernahm, hatte er bereits über zehn Jahre unter Obmann Gerald Malat im Vorstand mitgearbeitet. Damals zählten die ÖTW rund 25 Mitgliedsbetriebe. Heute vereint der Verband 91 Weingüter aus acht Weinbaugebieten. Gemeinsam bewirtschaften sie rund 3.600 Hektar Reben, etwa acht Prozent der österreichischen Weinbaufläche. Aus dem ursprünglichen Kern in Kamptal und Kremstal wuchs eine Vereinigung, der heute auch Betriebe aus Traisental, Wagram, Wien, Carnuntum, Thermenregion und Weinviertel angehören.

Moosbrugger blieb 2007 dem Gründungsauftrag treu, den bereits die ersten Statuen festgelegt hatten: eine Lagenklassifikation für die Weinbaugebiete in Österreich zu entwickeln. Damit schuf er eine Systematik, die in ganz Europa Schule machen sollte. Die Klassifikation der ÖTW wurde schließlich für die Übernahme ins österreichische Weingesetz vorbereitet, parallel dazu arbeiteten die ÖTW auch mit dem VDP in Deutschland zusammen. Auch die Weinregion Tokaj in Ungarn ließ sich von der Arbeit der ÖTW inspirieren. 

1ÖTW Gaisberg im Kremstal
1ÖTW Gaisberg im Kremstal © Robert Herbst / POV

Im Zentrum blieb eine Idee, die heute selbstverständlich klingt, zu Beginn aber echte Pionierarbeit war. 145 Rieden tragen inzwischen die Bezeichnung ÖTW Erste Lage (1ÖTW). Die über drei Jahrzehnte entwickelte Lagenklassifikation mit dem zweistufigen System aus Erster Lage und Großer Lage soll mit dem neuen österreichischen Weingesetz gesetzlich verankert werden.

ÖTW Erste Lagen Buch
© Manu Grafenauer

Im Fokus der Arbeit von Moosbrugger stand stets der unmittelbare Nutzen sowohl für Konsumenten als auch für Experten, die für Spitzenwinzer unentbehrliche Partner sind. Die Entwicklung der ÖTW-Lagenkarten und des ÖTW-Lagenbuchs erstreckt sich über die gesamte Schaffensperiode des Obmanns. Beide Publikationen erfahren heute international herausragende Bedeutung.

Single Vineyard Summit Tasting Schloss Grafenegg 2025
© Manu Grafenauer

Auch der 2013 ins Leben gerufene Single Vineyard Summit trägt seine Handschrift. Was als konzentrierte Vorschau auf den neuen Jahrgang begann, ist heute eines der international wichtigsten Arbeitsformate für österreichische Herkunftsweine. 2026 stehen in Schloss Grafenegg 556 Weine von 170 Weingütern zur Verkostung. Neben den ÖTW-Regionen nehmen STK, Vinea Wachau und Weingüter aus dem Burgenland teil. Im Vorjahr kamen mehr als 300 Fachgäste aus über 30 Ländern. Der diesjährige Summit startet am 7. September bei 100-prozentiger Auslastung: Sämtliche Verkostungsslots sind ausgebucht – erstmals reisen auch Teilnehmende aus Aserbaidschan, Georgien und Brasilien an, neben Gästen aus Zentraleuropa, Kanada, Thailand, Hongkong, den USA und Skandinavien. Der Summit zeigt damit in verdichteter Form, was in Moosbruggers Amtszeit entstanden ist: eine Klassifikation, die nicht im Vereinsraum bleibt, sondern Orientierung schafft und international diskutiert wird.

Michael Moosbrugger
© Anna Stöcher

„Unsere Arbeit ist dann erfolgreich, wenn sie über den Verein hinaus Nutzen für Weinliebhaber, Sommeliers und andere Experten stiftet. Die gesetzliche Verankerung der Lagenklassifikation (erwartet im neuen Weingesetz im Herbst 2027) ist deshalb kein Schlusspunkt, sondern die Verpflichtung, sie mit Leben zu erfüllen. Michael Malat hat diesen Weg im Vorstand fast von Beginn meiner Amtszeit an mitgetragen.“

Michael Moosbrugger, Obmann der Österreichischen Traditionsweingüter

Vom Fundament in die Märkte

Malat sieht die kommende Periode als bewussten Phasenwechsel. In den vergangenen Jahren floss viel Kraft in das Fundament, auf dem aufbauend nun weitergearbeitet werden kann: in die Erweiterung um neue Gebiete, die gemeinsame Klassifikationsarbeit und belastbare Strukturen. Nun soll diese Arbeit noch stärker nach außen wirken. Gemeinsam mit Geschäftsführer Michael Tischler-Zimmermann will Malat die gewachsenen Strukturen nutzen, um die ÖTW in wichtigen Märkten noch sichtbarer zu machen, die Lagenklassifikation verständlich zu vermitteln und neue Zielgruppen zu erreichen.

Michael Tischler-Zimmermann vor einer Wand
© Julius Hirtzberger

„Mit der gesetzlichen Verankerung der Lagenklassifikation¹ beginnt für uns eine neue Phase. Jetzt geht es darum, sie mit Sinn zu erfüllen, zu erklären, zu schützen und international noch stärker zu kommunizieren. Tradition darf nie zum Synonym für Stillstand werden. Der Generationswechsel gibt uns die Chance, neue Impulse zu setzen.“

Michael Tischler-Zimmermann, Geschäftsführer der Österreichischen Traditionsweingüter

¹ Die nationale Lagenklassifikation ist im Entwurf für das neue Weingesetz enthalten, dessen Wirksamkeit im Herbst 2027 erwartet wird.

Mehr Verantwortung, breiter getragen

Moosbruggers klare Richtung war in der Aufbauphase entscheidend. Künftig will Malat Themen und Verantwortung auf mehr Schultern verteilen. Geplant sind klar definierte Ressorts, in denen Mitglieder ihre Erfahrung einbringen und Projekte eigenständig vorantreiben.

An Malats Seite steht Obmann-Stellvertreter Markus Huber. Er ist seit Jahrzehnten in verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen in der Weinbaupolitik und der Wirtschaftskammer tätig und bringt diese Erfahrung sowie sein gewachsenes Netzwerk in die Arbeit der ÖTW ein.

Michael Malat
© Weingut Malat

„Michi Moosbrugger hat den ÖTW in einer entscheidenden Phase eine klare Marschrichtung gegeben. Das war notwendig, damit wir heute dort stehen, wo wir sind. Nun ist der Verein groß genug, Themen und Verantwortung breiter zu tragen. So wird nicht nur unsere Arbeitskraft gestärkt, sondern auch die Identifikation mit dem gemeinsamen Weg.“

Michael Malat

Ein Nachfolger, der Teil der Geschichte ist

Michael Malat führt das 1722 gegründete Weingut Malat in Furth bei Göttweig seit 2008 in zehnter Generation. Als sein Vater 1991 die Österreichischen Traditionsweingüter mitbegründete, war Michael 13 Jahre alt. Seit rund zwei Jahrzehnten arbeitet er im Vorstand der ÖTW mit; seit März 2022 ist er Obmann der ÖTW-Region Donauraum. Er kennt damit sowohl die frühe Idee einer gemeinsamen Lagenklassifikation als auch die komplexe Organisation, die daraus geworden ist.

„Es geht nicht darum, die ÖTW neu zu erfinden. Es geht darum, ihre Idee und Werte mit neuer Energie weiterzutragen. Herkunft ist unser gemeinsamer Nenner und eine der stärksten Geschichten, die Österreich im internationalen Wein zu erzählen hat“, ist Michael Malat überzeugt.

Michael Malat (l.) und Michael Moosbrugger (M.) beim Sommelier Picknick im Rahmen des Single Vineyard Summit 2023
Michael Malat (l.) und Michael Moosbrugger (M.) beim Sommelier Picknick im Rahmen des Single Vineyard Summit 2023 © Anna Stöcher

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Über die Österreichischen Traditionsweingüter

Was 1991 als Zusammenschluss einiger weniger Weingüter startete, ist heute die wohl wichtigste Winzer:innen-Vereinigung des Landes: Die Österreichischen Traditionsweingüter zählen im Jahr 2026 91 Mitglieder mit 145 als „ÖTW Erste Lagen“ klassifizierten Rieden. Die Lagenklassifizierung soll in erster Linie Weinliebhaber:innen Orientierung bieten, in einem komplexen Umfeld von Herkunftsbezeichnungen und Lagen. Die Lagenklassifizierung der ÖTW wurde 2023 gesetzlich festgeschrieben. Es wird erwartet, dass sie im neuen österreichischen Weingesetz (Herbst 2027) für alle Weinproduzenten Österreichs Anwendung findet.

Bundesverband Österreichische Traditionsweingüter
c/o Kloster Und
Undstraße 6, A-3500 Krems

Österreichische Traditionsweingüter

ÖTW Single Vineyard Summit Tasting 2025
Team Marlies Auer
Marlies Auer
Head of Content

Kompetent, analytisch und blitzgescheit – zugleich witzig, verbindend und gesellig: Mit Marlies hat Wine+Partners eine Frau mit Weitblick und ausgeprägter Wein- und Genusskompetenz im Team. Als Wein- und Diplom-Biersommelière studierte sie International Wine Business und sammelte internationale Erfahrung in einer Digitalagentur im Napa Valley. In der digitalen Welt fühlt sich Marlies ebenso zu Hause wie in der Welt von Wein und Bier – eine Kombination, die sie in ihrer Arbeit gekonnt verbindet. In ihrer Freizeit ist sie stets auf der Suche nach den schönsten Plätzen dieser Erde – am liebsten zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch per Boot.