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Wiederentdeckung der Tradition – beim Amphora Wine Day

von Catherine Walbridge
Catarina Vieira und Pedro Ribeiro
Catarina Vieira und Pedro Ribeiro

Von den Talhas in Portugal über die Quevri in Georgien bis hin zu den Tinaja in Spanien – Wein wird bereits seit Jahrtausenden in Tonbehältern hergestellt. Die reiche Geschichte dieser traditionellen Methode und der unverwechselbare Geschmack der Weine wurde bei einem Festival im Herzen Portugals, der Heimat des Amphorenweins, erlebbar.

Initiiert wurde der Amphora Wine Day vom dynamischen Winzerpaar Pedro Ribeiro und Catarina Vieira vom Weingut Rocim. Die beiden stehen an der Spitze der Wiederbelebung der Amphorenweinherstellung in Portugal – und möchten die besonderen Weine nicht nur in Restaurants und Weinbars von London bis São Paulo präsentieren, sondern auch in ihrer Heimat im Alentejo, wo alles begann…

Den Ton angeben 

Der Amphora Wine Day startete 2018 mit über 20 Produzenten und entwickelte sich zu einem inspirierenden jährlichen Festival mit rund 40 Weingütern aus aller Welt. Bei der diesjährigen Ausgabe, die am Samstag, 15. November stattfand, teilten Tonamphoren-Produzenten aus Chile, Frankreich, Georgien, Italien und Spanien gemeinsam mit ihren portugiesischen Kolleg:innen im Rocim-Weingut in Vidigueira ihre Leidenschaft mit dem Fachpublikum, Medienvertretern und Weinliebhaber:innen.

„Amphoren sind so viel mehr als nur ein Gefäß“, sagt Pedro Ribeiro, Geschäftsführer und Winemaker bei Rocim, der mehr als 20 Jahre Erfahrung zwischen Portugal und Australien vorweisen kann. „Beim Amphora Wine Day feiern wir die Menschen, das Handwerk, das Erbe und die Weiterentwicklung dieser einzigartigen Tradition.“

Gäste beim Amphora Wine Day 2025
© Rocim

Rund 1.900 Besucher:innen des Amphora Wine Day 2025 waren beeindruckt davon, wie erfolgreich es Rocim gelungen ist, moderne Weinbereitungstechniken des 21. Jahrhunderts mit uralter Tradition zu verbinden. Sichtbar wird das auf den ersten Blick in der modernen Architektur des Amphitheaters und des Weinguts, in dem die 200 Jahre alten Amphoren von Rocim lagern. Teil des Programms waren auch Führungen durch die nahegelegenen Weinberge, in denen die autochthonen Rebsorten noch immer von Hand gelesen werden. Das Fachpublikum bekam beim „Speed-Tasting“ – einem modern angelegten 1:1-Verkostungsformat – die Möglichkeit zum persönlichen Austausch mit den Winzer:innnen.

Jamie Goode beim Speed-Tasting
Jamie Goode beim Speed-Tasting © Rocim

Das Potenzial von Amphoren 

Unabhängig von ihrer Herkunft ist der Prozess der Weinbereitung in Amphoren seit Hunderten von Jahren ähnlich geblieben: Die zerdrückten Trauben werden samt Stielen in Tonbehältern spontan vergoren. Während Größe, Innenbeschichtung und Brenntemperatur des Tons nur einige der vielen Variablen sind, welche den Charakter des Weines beeinflussen, weisen Amphorenweine dennoch gemeinsame Merkmale auf.

„Amphoren haben Eigenschaften, die sich positiv auf die Entwicklung der Weine auswirken, ganz ohne Holzeinfluss und dennoch mit erhaltener Frische“, erklärte der britische Weinautor Jamie Goode. Er war Teil der Podiumsdiskussion mit dem Titel „Von Ton zu Glas: Wie man Amphorenwein fördert“, die von Weinkritiker Nuno Oliveira Garcia moderiert wurde.

„Seit Jahren verfolge ich die Renaissance der Amphoren und stelle fest: Je mehr sich die Winzer:innen mit diesen Gefäßen beschäftigen, desto besser und sauberer werden die Weine.“

Spektakulär: Öffnung der Amphoren
© Rocim

Den neuen Jahrgang feiern

So außergewöhnlich das Geschmacksprofil der Amphorenweine ist, so besonders ist auch das von Feierlichkeiten begleitete Öffnen der Talhas. Traditionell wird der Wein am Martinstag, dem 11. November, abgezogen. Die Zeremonie bildete auch den Höhepunkt des Amphora Wine Day. Zum Gesang eines Cante-Alentejano-Chors versammelten sich alle Gäste gespannt um die zwei Meter hohen Amphoren. Pedro und Catarina schlugen gemeinsam mit dem Rocim-Team den Korken am Boden der Gefäße heraus, um den Wein freizugeben, bevor sie den neuesten Jahrgang zum Probieren in die Menge reichten. Er kam gut an – aber wie bewertete der Winzer ihn selbst?

„Der Jahrgang 2025 ist geprägt von präziser Traubenreife und einer sauberen Mikrooxidation in den Amphoren, die die Sortenreinheit bewahrt – das Ergebnis sind feste, lineare Tannine und ein mineralischer Abgang“, lautete Ribeiros Urteil, während er lächelnd auf den erfolgreichen Tag anstieß.

Der Cante-Alentejano-Chor sorgte für die stimmungsvolle Umrahmung
Der Cante-Alentejano-Chor sorgte für die stimmungsvolle Umrahmung © Rocim

Wiederentdeckung der Tradition

Im Amphitheater wartete eine weitere Hommage an die reiche Kultur des Alentejo. An verschiedenen Stationen konnten die Besucher:innen regionale Spezialitäten probieren, allen voran Schinken und Würste aus dem Fleisch der weltberühmten schwarzen Schweinerasse Porco de Roca Alentejana. Außerdem gab es lokale Käsesorten, Olivenöle sowie frisch gebackenes Brot – eine kulinarische Reise durch die Region und die perfekte Begleitung zu den Weinen.

„Wenn man Amphorenweine probiert, sieht man, wie gut sie zu den Menschen, dem Klima und sogar zum Essen hier in Portugal passen“, sagte Harald Scholl, Chefredakteur des deutschen Vinum-Magazins, der zum zweiten Mal am Amphora Wine Day teilnahm. „Ich finde es großartig zu sehen, wie die Portugiesen ihre eigene Amphorenweintradition wiederentdeckt haben.“

Amphora Wine Day 2025 – Teilnehmende Weingüter 

  • Adega Belém – Lissabon, Portugal 

  • Adega Borba – Alentejo, Portugal  

  • Adega das Flores – Alentejo, Portugal  

  • Adega Vidigueira – Alentejo, Portugal  

  • Aldeia de Cima – Alentejo, Portugal  

  • Amoreira da Torre – Alentejo, Portugal  

  • Arvad – Algarve, Portugal 

  • Barroca da Malhada – Beira Interior, Portugal

  • Bodegas Romero – La Mancha, Spanien

  • Bojador – Alentejo, Portugal  

  • Cantina del Malandrino – Kampanien, Italien 

  • Casca Wines – Alentejo, Portugal  

  • Castello Vicchiomaggio – Toskana, Italien 

  • Château Carsin – Bordeaux, Frankreich 

  • Château Couronneau – Bordeaux, Frankreich 

  • Château Petit Guillot – Bordeaux, Frankreich 

  • Château de Piote – Bordeaux, Frankreich 

  • Esporão – Alentejo, Portugal  

  • Fita Preta – Alentejo, Portugal  

  • Gvymarani – Kakheti, Georgien

  • Howard's Folly – Alentejo, Portugal  

  • Mainova – Alentejo, Portugal  

  • Malhadinha Nova – Alentejo, Portugal  

  • Meskhishvil – Kakheti, Georgien

  • Morais Rocha Wines – Alentejo, Portugal  

  • Natus Vini – Algarve, Portugal 

  • Niepoort – Douro, Portugal   

  • Ode Winery – Alentejo, Portugal  

  • Quinta da Pedragosa – Algarve, Portugal 

  • Quinta do Paraíso – Algarve, Portugal 

  • Quinta do Paral – Alentejo, Portugal  

  • Rocim – Alentejo, Portugal  

  • Rotcho – Kakheti, Georgien

  • Scylla – Douro, Portugal 

  • Shilda Winery – Kakheti, Georgien

  • Tezi Winery – Kartli, Georgien  

  • VIK – Cachapoal Valley, Chile

  • XXVI Talhas – Alentejo, Portugal  

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Über Rocim

Catarina Vieira und Pedro Ribeiro leben und produzieren frische, herkunftsbezogene Weine aus Portugal. Die Geschichte des Power-Paares begann in Vidigueira im Alentejo, das dank des kühlenden Einflusses des Atlantikwindes, der von einer lokalen Bergkette aufgefangen wird, so etwas wie eine Oase in einer ansonsten heißen Region ist. Der erfahrene Weinbauer und Winzer wendet diese Maxime nun in ganz Portugal an und wählt für seine erfrischenden, strukturierten Weine nur die besten Lagen aus, die mit einer kühlen Brise gesegnet sind.

Catherine Walbridge
Catherine Walbridge
Head of International

Ob London, Neuseeland oder Hongkong – Catherine bringt die Welt nach Wien und verbindet internationale Erfahrung mit feinem Storytelling. Mehr als 20 Jahre arbeitete sie als Journalistin für führende Medien weltweit. Als Kind träumte sie davon Rennfahrerin zu werden – heute bringt sie diese Energie, ihre schnelle Auffassungsgabe und ihren Scharfsinn in Strategie und Kommunikation bei Wine+Partners ein. Catherine würde sich selbst als Pinot Noir beschreiben, hat aber in Wien ihre Liebe für Gemischten Satz entdeckt. Ihr ungewöhnlichstes Glas Wein? An der thailändisch-myanmarischen Grenze als Vortragende für Journalismus.