Eine Rebsorte eint Europa
103 Weine von 87 Weingütern aus 33 Regionen – und nur eine Rebsorte: Blaufränkisch. Bei der VieVinum wird für die „Königin Zentraleuropas“ der rote Teppich ausgerollt. Die Initiative United Nations of Blaufränkisch zeigt Vielfalt und Potenzial dieser Sorte, die in den vergangenen Jahren vom Underdog zum Liebling der Sommellerie aufgestiegen ist. Eine hochkarätige wie enthusiastische Fangemeinde erklärt, warum Blaufränkisch für sie die Sorte der Zukunft ist.
Viele Sprachen – viele Namen
Blaufränkisch zählt nach Meinung internationaler Experten zu den großen Rebsorten der Welt. Einer der Gründe, warum sie weniger bekannt ist als etwas Cabernet Sauvignon oder Syrah, sind die vielen verschiedenen Namen, mit der man die Sorte bezeichnet: Kékfrankos, Modra Frankinja, Frankovka, Franconia, Burgund Mare, Lemberger, Franconia und eben Blaufränkisch.
Die Mission der Weingüter aus 33 Weinbaugebieten - von Württemberg in Deutschland, über Mikulov in Mähren, Podravja in Slowenien, Szekszárd in Ungarn bis Crisana in Rumänien – ist aufzuzeigen, dass diese Sorte ein unglaubliches Talent hat, ihre ganz spezifische Herkunft auszudrücken und gleichzeitig eine große weinbauliche Klammer für Zentraleuropa darstellt. Oder wie es die legendäre Weinkritikerin Jancis Robinson MW formuliert:
„Blaufränkisch ist der Pinot Noir Osteuropas. Eine Rebsorte voller Potenzial, die selbst subtile Unterschiede im Terroir präzise wiedergeben kann – und mehr als fähig ist, einen Platz im Kanon der noblen Rebsorten zu behaupten.“
United Tasting bei der VieVinum
Wie vielschichtig und divers dieser neue Liebling der Weinwelt das Terroir transportieren kann, zeigt die Initiative „United Nations of Blaufränkisch“ im Rahmen der VieVinum, von 16. bis 18. Mai 2026 in der Hofburg Wien.
Sieben Länder haben sich der Bewegung angeschlossen. Um mit den jeweils besten Weinen des Landes vertreten zu sein, wurden führende Sommeliers gebeten, bei der Auswahl der Weingüter behilflich zu sein.
Diese Experten und Expertinnen stehen hinter der Auswahl der spannenden 101 Weine aus sieben Ländern bzw. 31 Weinbaugebieten:
Deutschland – Sebastian Höpfner
Sebastian Höpfner zählt zu den führenden Sommeliers im deutschsprachigen Raum, was seine Vita untermalt: Vom Taubenkobel in Schützen (Burgenland, 2 Sterne) ging es für ihn als Head Sommelier ins Drei-Sterne-Restaurant Rutz nach Berlin-Mitte. Er ist nicht nur Eintracht Frankfurt Anhänger, sondern auch Blaufränkisch Ultra: „Blaufränkisch vereint zwei Weinwelten, die in Europa elementar sind: Eine pinoeske Eleganz und Finesse, sowie die packende Würze, die man sonst eher von Syrah oder Cabernet Franc kennt.“
Rumänien – Julia Scavo
Die renommierte Sommelière Julia Scavo (DipWSET) erreichte Spitzenplatzierungen bei den Welt- und Europameisterschaften des Sommelier-Weltverbands (ASI). Mit ihrem feinen Gaumen und geballten Wissen über Food-Pairing weiß sie um die Qualitäten des Burgund Mare in Rumänien und sein gastronomisches Potenzial.
Ungarn – Zoltán Győrffy
Der in Jugoslawien geborene Weinjournalist gründete 2008 das Magazin Pécsi Borozó, wo er bis 2024 als Chefredakteur tätig war. Heute schreibt Győrffy für Fachzeitschriften wie Decanter, Gusto oder Magyar Konyha, organisiert Events wie GROW du Monde oder Franc&Franc und gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der ungarischen Weinwelt.
Slowakei – Peter Lunter
Peter Lunter ist seit 2022 als Head Sommelier und Manager im ECK Restaurant in Bratislava tätig und zählt zu den profiliertesten Weinfachleuten der Slowakei. Zuvor erarbeitete sich der Falstaff Sommelier des Jahres 2025 ein Standing als Sommelier im Steirereck (zwei Michelin-Sterne). Sein Fokus liegt insbesondere auf der Rebsorte Frankovka modrá (Blaufränkisch) und deren Ausdruckskraft auf den unterschiedlichen Böden der Slowakei.
Österreich – Alexander Koblinger
Alexander Koblinger ist nicht nur Master Sommelier, sondern auch noch Sake Samurai und Blaufränkisch-Enthusiast: „Gerade in der Gastronomie ist Blaufränkisch bei Sommeliers ganz oben auf der Liste: Er verbindet Struktur, Frische und Tiefe und ist damit einer der vielseitigsten Speisebegleiter überhaupt.“
Tschechien – Jan Směták
Jan Směták verfügt über umfassende Erfahrung in der internationalen Sterne-Gastronomie, nach Stationen im Weingut Tement und bei Obauer arbeitet er aktuell als Head Sommelier in zwei Spitzen-Hotels in Hochsölden. Der gebürtige Brünner schaffte es im Magazin Rolling Pin wiederholt unter die Top 50 Sommeliers Österreichs. Die Auswahl der tschechischen Weingüter traf er gemeinsam mit Expertin Klara Kollarova. Sie meint: „Frankovka aus Mähren ist etwas ganz Besonderes. Die Weine sind oft mineralisch, zeigen verführerische Aromen von Kirsche und roten Beeren und sind herrlich säurebetont.“
Slowenien – Simona Česen
Simona Česens zählt nicht nur zu den spannendsten Nachwuchstalenten der internationalen Weinszene, sie wurde 2025 zur besten Sommelière Sloweniens gekürt. Ihre Ausbildung absolvierte Česens beim Sommelierverband Sloweniens. Neben dem WSET-Level 3 baut sie sich kontinuierlich bei internationalen Programmen wie dam ASI Bootcamp in Sevilla weiter. Seit 2019 arbeitet Simona Česens als Sommelière, heute ist sie Head Sommelier in der Wine Bar Šuklje in Ljubljana und wird Slowenien bei der nächsten Sommelier-Weltmeisterschaft und auch der Europameisterschaft vertreten. Und das Wichtigste: Modra Frankinja – wie Blaufränkisch in Slowenien genannt wird – ist ihre persönliche Lieblingsrebsorte.
INFO
United Nations of Kékfrankos - Blaufränkisch - Burgund Mare - Frankovka - Modra Frankinja - Lemberger - Franconia @ VieVinum 2026
Termin: Samstag, 16.5 - Montag, 18.5.2026
Ort: VieVinum, Hofburg Lounge
Sprache: Englisch / Deutsch
Ein gültiges Ticket für die VieVinum ist erforderlich.
Führende Weinkritikerinnen sind überzeugt: Blaufränkisch ist Trumpf
Mittlerweile ist Blaufränkisch in all seinen Facetten in der Spitzengastronomie in so gut wie allen vinophilen Ländern angekommen. Zu diesem steilen Aufstieg der roten Leitsorte Zentraleuropas hat auch maßgeblich das Fazit einiger der prononciertesten Stimmen der Weinwelt beigetragen. Eine kleine Auswahl:
„Der Blaufränkisch ist der geniale mitteleuropäische Grenzgänger zwischen voralpinem Cool Climate und pannonischer Herzenswärme. Hinter seiner rauen Schale stecken auch ein straffer Kern und eine stramme Säure, die gemeinsam um Geduld bitten. Den Geduldigen belohnt der Blaufränkisch mit seiner anhaltenden Jugendlichkeit, tragenden Tanninen und der dem Terroir entsprechenden Mineralität.”
„Blaufränkisch ist die nobelste Rebsorte Zentraleuropas. Sie zeigt Charakter, egal in welcher Stilistik: Kraftvoll-strukturiert oder filigran mit burgundischer Würze. Ich liebe ihre floralen Anklänge, ihre pfeffrige Würze und die lebendige Säure, die auch bei hoher Reife nicht erblasst.”
„Es gibt in Zentraleuropa keine Sorte wie den Blaufränkischen: robust, oft kraftvoll und intensiv, aber nie schwer; von dunklen Waldfrüchten und Kirschen erzählend, von Schwarztee, Unterholz und Waldböden, aber auch vom Schiefer und vom Kalk, dabei immer frisch und nervig, auch in warmen Jahren — und vielleicht genau deshalb die Sorte des Anthropozän, des vom Menschen beeinflussten Erdzeitalters, das uns und den nachfolgenden Generationen immer mehr zusetzt.“
„Blaufränkisch gehört heute schon zu den besten Rotweinsorten weltweit und wird diese Rolle in den nächsten Jahren noch untermauern. Spät in der Reife und ausgestattet mit einer sehr guten Frische sowie eleganten Tanninen liefert sie sowohl in trocken-heißen wie in kühleren Jahren exzellente Ergebnisse. Blaufränkisch ist Europas Trumpf-Ass im Klimawandel.“
„Weniger hat den Blaufränkisch zu mehr gemacht: Weniger Extraktion, weniger Fülle, dafür mehr Präzision. Die Rebsorte hat sich nicht verändert, sondern unser Verständnis davon. Blaufränkisch kann sich neben den großen Rotweinen der Welt behaupten, ob Syrah, Nebbiolo oder sogar Pinot Noir. Dabei bleibt die Sorte immer eigenständig und transportiert ihr Terroir mit Energie und Klarheit – und das meist um einen Bruchteil des Preises.“
Downloads