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United Nations of Blaufränkisch: Ein starkes Signal für Zentral-Europas große rote Sorte

von Lydia Schima
United Nations of Blaufränkisch 2026

Während Wien am Rathausplatz „United by Music“ feierte, hieß es wenige Schritte weiter in der Hofburg: United in Blaufränkisch. Bei der VieVinum 2026 wurde die historische Rebsorte Zentral-Europas an einer gemeinsamen Bar so umfassend präsentiert wie selten zuvor. 103 Weine aus neun Ländern, 32 Regionen und 87 Weingüter zeigten die Bandbreite von Kékfrankos, Blaufränkisch, Frankovka, Burgund Mare, Modra Frankinja, Lemberger und Franconia. Das internationale Fachpublikum reagierte begeistert.

Eine Rebsorte, viele Namen, ein gemeinsamer Auftritt: Die United Nations of Blaufränkisch zählten zu den meistbeachteten Treffpunkten der VieVinum 2026. Gerade in einem Jahr, in dem auf der VieVinum auffallend viel über politische Bruchlinien und Spannungsfelder gesprochen wurde, wirkte die United Nations of Blaufränkisch wie ein starkes Gegenbild: ein Tisch, an dem die Länder Zentral-Europas über Herkunft, Handwerk und eine gemeinsame Rebsorte zusammenfanden. In der Hofburg Lounge präsentierten Weingüter aus Ungarn, Österreich, Deutschland, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Italien, Polen und Rumänien ihre Weine Seite an Seite.

Die Idee war so einfach wie stark: Blaufränkisch nicht als nationale Spezialität zu zeigen, sondern als gemeinsames kulturelles und önologisches Erbe Zentral-Europas. Als Sorte, die nicht durch einen einzigen Namen definiert wird, sondern durch ihre Fähigkeit, Herkunft sichtbar zu machen.

Csatári Vivien, Weingut Eszterbauer
© Anna Stöcher

103 Weine, eine zentraleuropäische Stimme

Kékfrankos in Ungarn, Blaufränkisch in Österreich, Frankovka in der Slowakei und Tschechien, Modra Frankinja in Slowenien, Burgund Mare in Rumänien, Lemberger in Deutschland, Franconia in Italien: Was auf Etiketten oft getrennt erscheint, wurde bei der VieVinum gemeinsam lesbar.

103 Weine machten deutlich, wie faszinierend facettenreich diese Sorte ist. Sie kann kühl und sehnig sein, dunkelwürzig und tief, elegant, strukturiert und gleichzeitig trinkanimierend. Sie reflektiert Kalk, Schiefer, Lehm, Löss, Sand und Eisen mit bemerkenswerter Genauigkeit, und das mit jener Verbindung aus Frische, Präzision und aromatischer Reife, die international immer stärker gesucht wird.

Von l. nach r.: Nikolett Garai, Áron Feher, Dorli Muhr & Andreas Győrffy
© Anna Stöcher

“United Nations of Blaufränkisch hat gezeigt, wie groß das Potenzial einer gemeinsamen zentral-europäischen Präsentation ist. Wir freuen uns auf 2028.“

Áron Feher, Wines of Hungary (2.von l. – im Bild mit v.l.n.r.: Nikolett Garai, Dorli Muhr & Andreas Győrffy)

Die „side by side“ Verkostung war der entscheidende Punkt. Erst im direkten Vergleich wurde sichtbar, dass Blaufränkisch nicht nur eine große Sorte einzelner Regionen ist. Sondern eine gemeinsame Sprache Zentral-Europas. 

Die Resonanz bestätigte den Anspruch des Projekts: Unter den Verkosterinnen und Verkostern waren zahlreiche internationale Stimmen, darunter Stephan Reinhardt von Robert Parker Wine Advocate, Jamie Goode von Wine Anorak, Gabriel Stone von The Drinks Business und Master of Wine Caro Maurer.

Jamie Goode, The Wine Anorak
Stephan Reinhardt, The Wine Advocate

Blaufränkisch überzeugt durch Herkunft, nicht durch Lautstärke

Dorli Muhr, Mit-Initiatorin der United Nations of Blaufränkisch, beschreibt die Sorte seit Jahren als eine der großen roten Rebsorten der Welt. Im Interview mit dem ungarischen Weinportal bor.hu bringt sie ihre Faszination auf den Punkt: Sie sei nicht als Blaufränkisch-Patriotin gestartet, vielmehr habe Blaufränkisch sie überzeugt.

Diese Überzeugung war auch bei der VieVinum spürbar. Denn die United Nations of Blaufränkisch waren keine Leistungsschau im klassischen Sinn, sondern ein Argument im Glas. Für eine Sorte, die Terroir nicht überdeckt.

In Zeiten des Klimawandels rückt Blaufränkisch aus Zentral-Europa als zeitgemäße Rotweinsorte in den Blick: reif, frisch und strukturiert, aber nie schwer.

Weine mit Frische, Eleganz, voller Aromatik und Trinkfluss. Genau das, so Muhr, suche die Welt derzeit.

Gemeinsam stärker

Die United Nations of Blaufränkisch verstanden sich bewusst nicht als Wettbewerb. Nicht ein Land, eine Region oder ein Name der Sorte sollte im Vordergrund stehen, sondern die gemeinsame Botschaft: Zentral-Europa hat eine rote Rebsorte von Weltformat. Wenn Produzentinnen und Produzenten aus so vielen Herkunftsregionen gemeinsam auftreten, wird aus vielen Namen eine klare Stimme.

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