Wie wird der Jahrgang 2025?
Wir fragten Winzer:innen in Portugal, Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich. Alle sind sich jetzt schon einig: „Er wird großartig!‘‘
2025 scheint ein Jahrgang der Superlative zu werden. Aus unterschiedlichen Weinbaugebieten erreichen uns Meldungen zur Lese, die so früh, so schnell oder mit so gutem Traubenmaterial wie noch nie zuvor über die Bühne geht bzw. ging.
Prognosen & Potenzial
Die Weinlese auf der Herdade do Rocim begann schon am 30. Juli in der Subregion Vidigueira im Alentejo. Es gab viele heiße Tage, doch die Granitböden und der morgendliche Atlantiknebel sorgten für Frische in den Trauben.
„Generell versuchen wir, auf Bewässerung zu verzichten. Das Ergebnis sind zwar kleinere Erträge, aber konzentriertere Trauben“, erklärt PEDRO RIBEIRO, der das Weingut Rocim gemeinsam mit seiner Frau CATARINA VIEIRA führt. „Unsere alten, nicht bewässerten Weinberge – einige davon über 75 Jahre alt – haben sich als besonders widerstandsfähig gegenüber der plötzlichen Hitze erwiesen. Zudem reagieren wir auf den Klimawandel, indem wir das Laubmanagement anpassen, sodass die Trauben mehr Schatten erhalten“, sagt Ribeiro.
Um jüngere Reben vor den teils extremen Temperaturschwankungen – an manchen Tagen beträgt der Unterschied bis zu 30 °C – zu schützen, wird dort mit minimaler Bewässerung gearbeitet.
„Wir erwarten von den Weinen des Jahrgangs 2025 ein Gleichgewicht aus Frische, Mineralität und lebendiger Säure, mit viel Tiefe und Struktur.“
Komplexität, Finesse und Frische sind auch das Resultat einer längeren Reifezeit, insbesondere in Amphoren. „Das birgt aber auch ein Risiko“, weiß der Rocim-Chef, denn „die spontane Gärung – ohne zugesetzte Hefen oder Temperaturkontrolle – erfordert Präzision. Wenn sie gelingt, entstehen Weine mit einzigartiger Eleganz.“
„Nach einem wettertechnisch relativ milden Jahr gab es im Juli und Anfang August eine Hitzeperiode“, berichtet FRANCISCO FERREIRA von der Quinta do Vallado, der auch Mitglied der Douro Boys ist. Diese Hitzewelle habe die Reifung beschleunigt, was – im Vergleich mit 2024 – zu geringeren Erträgen geführt hat. Aber: „Die Qualität der Trauben ist hervorragend! Sowohl bei den weißen, aber insbesondere bei den roten Rebsorten, aus denen wir auch unsere Portweine vinifizieren, schaut es sehr vielversprechend aus. Die Zeichen stehen sehr gut für Weine voll Konzentration und Kraft.“
Im Elsass hat die Weinlese dieses Jahr so früh wie noch nie begonnen: Am 19. August wurde mit den Trauben für die Crémant-Produktion gestartet – zehn Tage früher als 2024. Am 25. August erfolgte dann der offizielle Startschuss für die Ernte der Trauben für Stillweine bei hervorragenden Witterungsbedingungen. Weil das Wetter anschließend regnerischer wurde, war eine akribische Sortierung der Trauben erforderlich, um die gewohnte Spitzenqualität erzeugen zu können. Gleichzeitig wird mit geringeren Mengen als in den Vorjahren gerechnet, aufgrund der sommerlichen Trockenheit und Hitze sind die Trauben kleiner. Dies führt jedoch zu einer besonders feinen Zucker-Säure-Balance in den Weinen. Die Grundweine der Crémants zeigen jetzt schon eine lebendige Frische und Spannung. Auch die Rotweine des Jahrgangs 2025 aus dem Elsass werden schon mit viel Vorfreude erwartet: Sie versprechen aufgrund der kühlen Tage zu Ende der Reifezeit besonders viel Frische und Frucht.
Einen früheren Lesestart in allen Lagen gab es auch bei der Kellerei Tramin in Südtirol. „Besonders ist in diesem Jahr, dass der Unterschied in der Reifeentwicklung zwischen hohen (bis 850 m) und tiefen Lagen (ab 220 m) nicht so stark ausgeprägt ist wie üblich“, streicht Kellermeister WILLI STÜRZ hervor. Zudem sei heuer der Erntezeitraum kompakter – auch aufgrund der wechselhaften Witterung. Hier erweist sich die Struktur der traditionsreichen Genossenschaft, die sich aus vielen kleinen Weinbaufamilien zusammensetzt, als vorteilhaft: „Wir können sehr flexibel agieren und die Trauben im optimalen Reife- und Gesundheitszustand innerhalb kürzester Zeit lesen.“ Für eine Prognose für den Jahrgang 2025 sei es noch zu früh, aber „schon jetzt erkennbar sind jedoch eine gute Farbstruktur – resultierend aus dem kühlen Juli und besonders bei den Rotweinen – sowie eine ausgeprägte Aromatik und Frische“, gibt Stürz einen Ausblick.
„Mit zunehmender Flaschenreife gewinnen die Weine an Komplexität, Tiefe und Harmonie. Die Herausforderung besteht jedoch darin, die idealen Bedingungen sicherzustellen, damit die Flaschen bei konstant niedriger Temperatur langsam und harmonisch reifen können.“
Insbesondere gilt das für Epokale. Das Aushängeschild der Kellerei Tramin gilt als absolute Rarität, als Kultwein, der Geduld und Perfektion vereint. Er reift unter perfekten Bedingungen auf 2.000 Metern Seehöhe in einem ehemaligen Bergwerksstollen. Absolute Ruhe, Dunkelheit und konstante elf Grad Celsius sowie 90 Prozent Luftfeuchtigkeit – das sind die Parameter. Und Epokale steht, wie wohl kaum eine andere Ikone, für Zeit: Im November kommt Epokale 2017 auf den Markt.
Von einem „Jahrhundertjahrgang“ spricht FELIX PRINZ ZU SALM-SALM, dessen Familie seit mehr als 800 Jahren Wein produziert. Dennoch war die Lese 2025 eine Herausforderung für Felix, seine FRAU VICTORIA und das Leseteam. Denn das Weingut bewirtschaftet Rebflächen in zwei Regionen: in Bingen (Rheinhessen) sowie in Wallhausen (Nahe) und durch die klimatischen Veränderungen rückte der Reifezeitpunkt in beiden Gebieten immer weiter zusammen. Zusätzlichen Zeitdruck gab es aufgrund der Schlechtwetterprognose im September, weswegen die Lese so schnell wie nie zuvor über die Bühne gehen musste. Belohnt werden die Bemühungen durch eine hervorragende Qualität: „aromatisch, dicht und elegant.“
Was das Weingut Prinz Salm aus der Vergangenheit gelernt hat und auf welche Zukunftssorte das Winzerpaar setzt?
„Absolut perfekt!“ – so fasst CHRISTOPH GRAF, Vorstand der Sektmanufaktur VAUX, die Lese 2025 zusammen, die mit 22. August früh begann und mit 8. September auch in Eltville in Rekordzeit abgeschlossen war. „Die Bedingungen zum Start waren ein Traum: Schönste und gesunde Trauben, ein optimales Reifeniveau. Hitzetage während der Ernte blieben aus und von der Schlechtwetterphase im September waren wir glücklicherweise nicht mehr betroffen“, so Graf. Er blickt auf einen ruhigen Jahrgangsverlauf ohne Wetterkapriolen zurück: „Von Unwetter und krassen Infektionen sind wir komplett verschont geblieben – Gott sei Dank!“
Die Sektherstellung braucht neben Zeit aber vor allem das nötige Fingerspitzengefühl. Bei VAUX setzt man auf eine besonders schonende Verarbeitung. Während die erste Gärung – je nach Sorte im Fass, Edelstahl oder in der Amphore – für Stabilisierung sorgt, verleiht die anschließende Reife auf der Hefe Komplexität, Aromenreichtum und Charakter. „Hier variiert die Dauer des Hefelagers je nach Stilistik, Rebsorte oder Cuvée und Herkunft“, erklärt Christoph Graf.
Für 2025 erwartet er wieder „feine, reife und dennoch leichte und filigrane Grundweine. Die gerade vergorenen Weine präsentieren sich derzeit ziemlich verspielt, aromatisch und mit einer anregenden Fruchtigkeit.“
„Für unsere Verhältnisse haben wir dieses Jahr relativ spät, am 9. September, mit der Hauptlese begonnen“, berichtet der Golser Spitzenwinzer PAUL ACHS. Eine Besonderheit 2025 sei, dass alle Trauben bei Pinot Noir, Zweigelt und Chardonnay eine schöne physiologische Reife und niedrige Zuckergrade aufweisen. „Ich bin noch vorsichtig mit einer Prognose, ob es ein sehr guter Jahrgang wird. Sicher aber ist: Er wird definitiv den Nerv der Zeit treffen – mit weniger Alkohol, elegant, tiefgründig und trotzdem leichtfüßig sowie mit schönem Süße-Säure Spiel.“ Einziger Wermutstropfen sei das Schlechtwetter ab Mitte September. Hier ist Paul Achs aber im Vorteil, denn durch die Handlese ist selbst bei Regen während der Lese durch die manuelle Selektion für perfektes Traubengut gesorgt.
„In Carnuntum erwarten wir einen sensationellen Jahrgang, denn unsere Region, die oft unter Trockenheit leidet, wurde während der Vegetationszeit immer wieder von kleinen Niederschlägen verwöhnt. Der Pflanzenschutz war dadurch manchmal fordernd, doch die Rebstöcke haben jeden Regentropfen genossen", berichtet CHRISTINA NETZL. Bei der Lese, die auch bei ihr am 9. September startete, konnte man das prächtige Ergebnis sehen: die Trauben waren „wunderbar gesund und in der physiologische Endreife, ohne zu hoch in der Gradation zu sein“, so Netzl, die aromatische, frische Weine erwartet und sich sicher ist: „2025 wird außergewöhnlich gut!“
ALBERT GESELLMANN begann am 21. August mit der Handlese von Zweigelt-Trauben für den „Flein“ Rosé Traubensaft – ein neues Projekt des Deutschkreutzer Winzers in Zusammenarbeit mit MARIA UND MICHAEL GROSS. Darauf folgten die Blaufränkisch-Trauben für den neuen Jahrgang des Blaufränkisch Rosé Brut, Sauvignon Blanc, Chardonnay und die frühreifen Rotweinsorten wie der Pinot Noir Ried Siglos und St. Laurent. „Anschließend stand unsere Top-Lage Hochberg im Fokus“, erzählt Gesellmann. Nach dem Gemischten Satz hochberc weiss, startete am 23. September, kurz vor der Regenfront, die Handlese für den Blaufränkisch hochberc. „Wir sind ausgesprochen glücklich über die Qualität der Trauben“, freut sich Albert Gesellmann. Der überwiegend trockene und heiße Sommer führte zu kleinen Beeren mit dicker Schale, was eine außergewöhnlich intensive Farb- und Aromenausprägung begünstigt.
„Durch die teils kühlen Temperaturen in den Septembernächten erwarten wir Weine mit klarer, strahlender Frucht und feiner Aromatik. Vor allem der Blaufränkisch zeigt eine schöne Würzigkeit, saftige Struktur und präzise Säure, die den Weinen Eleganz und Frische verleiht. Auch bei den anderen Sorten rechnen wir mit einem Jahrgang, der weniger von Fülle und Opulenz, sondern vielmehr von Balance, Finesse und guter Lagerfähigkeit geprägt ist.“
Und diese lange Lagerfähigkeit, der „nachhaltige Genuss“ ist für Albert Gesellmann essenziell: „Unsere Weine begeistern nicht nur in jungen Jahren, sondern entfalten gerade nach einer Reife von 10,15 oder 20 Jahren ihr wahres Potenzial.“ Die Langlebigkeit sei ein wesentliches Merkmal seiner Handschrift und so durchlaufen die Aushängeschilder des Weinguts wie Blaufränkisch hochberc oder die Cuvée G eine außergewöhnlich lange Reifezeit von 30 bzw. 40 Monaten in Eichenfässern. Der große Vorteil: „Wir können unseren Kund:innen Weine bieten, die nicht nur im Moment begeistern, sondern auch nach vielen Jahren der Lagerung noch für Genussmomente sorgen.“
„Wir haben heuer in Rekordzeit von nur neun Erntetagen gelesen und wurden rechtzeitig vor dem großen Regen fertig. Die Logistik, die Lesekräfte, die Verarbeitung im Keller – alles war herausfordernd und konnte nur mit großartiger Teamleistung und Planung bis ins letzte Detail bewältigt werden“, erinnert sich Stefan Krispel. Bis zu 400 Personen machten die zu 100 Prozent händische Lese für das Weingut im steirischen Vulkanland möglich. „Ich bin jedem einzelnen dankbar!“ 2025 ist für Krispel ein großartiger Jahrgang: Nach einem optimalen Jahresverlauf mit ausreichend Niederschlag und keinen Wetterkapriolen wie Frost oder Hagel konnten die Trauben mit einer perfekten physiologischen Reife und einem harmonischen Verhältnis von Zucker- und Säurekonzentration gelesen werden.
„Super aromatisch, mit moderatem Alkohol und schöner Säurestruktur – das ist der großartige Jahrgang 2025!“
Auch bei VERENA LANGMANN, die das weststeirisches Weingut gemeinsam mit Vater Stefan führt, wird komplett von Hand gelesen. „Es ist immer eine Herausforderung, den perfekten Lesezeitpunkt zu bestimmen“, erzählt sie, „es braucht viel Geduld, Resilienz, Durchhaltevermögen und auch etwas Wetterglück, um die bestmögliche Qualität in den Keller zu bringen.“ Abgesehen von Hagel in manchen Weingärten Ende Mai sind die Langmanns mit dem Jahrgangsverlauf zufrieden. „Die Tage vor der Lese zeigten eine fantastische Temperaturschwankung von warmen Tagen und kühlen Nächten. Dadurch erwarten wir Weine mit einer klaren, frischen Frucht. Zudem denke ich, dass der Jahrgang viel Konzentration und Reife mitbringen wird.“ Zunächst bekommen die Weine nun aber Zeit, sich zu entwickeln.
„Die spontane Gärung und die lange Zeit auf der Hefe geben dem Wein die Möglichkeit, noch besser seine Herkunft zu zeigen. Außerdem ist er durch den langsamen und schonenden Ausbau für die Lagerung toll geeignet.“