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Patente auf Braugerste – nein, danke!

von Ute Watzlawick
Patentfreies Saatgut

Großer Erfolg für das gemeinsame Vorgehen von Arche Noah und Unabhängige Privatbrauereien. Österreich beschließt Patentverbot auf Neuzüchtung von Tieren und Pflanzen.

Der Kampf hat sich gelohnt: Neuzüchtungen von Braugerste dürfen künftig nicht mehr patentiert und damit der allgemeinen Nutzung entzogen werden. Diese klare Regelung wird in der Novelle des österreichischen Patentgesetzes stehen, die am 1. März vom Ministerrat beschlossen wurde und nun zur weiteren Behandlung im Parlament liegt. Das Verbot betrifft natürlich nicht nur die Braugerste, die in den letzten Jahren besonders bedroht war, sondern wirkt ganz umfassend: Sämtliche konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere unterliegen einem strengen Patentverbot. Damit wird einer Praxis ein Riegel vorgeschoben, die in den letzten Jahren mehr und mehr um sich gegriffen hat: Globale Konzerne melden bestimmte, durch Züchtung modifizierte Nutzpflanzen als Patent an (zum Beispiel eben Braugerste),worauf andere Unternehmen diese Sorten nicht mehr verwenden dürfen – oder nur gegen hohe Lizenzzahlungen.

„Dass dieser Missbrauch jetzt gestoppt werden konnte, ist ein Erfolg für die österreichische Braukultur und darüber hinaus für den Erhalt der Artenvielfalt“, freut sich der Obmann der Vereinigung der Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs, Ewald Pöschko. Die Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs haben jahrelang gemeinsam mit NGOs für dieses Verbot gekämpft. An vorderster Front aktiv war vor allem der Verein Arche Noah, der sich den Erhalt und die Verbreitung vom Aussterben bedrohter Kulturpflanzensorten zur Aufgabe gemacht hat. Auf dem Papier sollte die Patentierung von Pflanzen und Tieren aus konventioneller Züchtung schon bisher durch EU-Recht eigentlich nicht möglich sein. Internationale Konzerne fanden aber immer wieder Schlupflöcher und schafften es so, wertvolles Saatgut für sich zu monopolisieren. Künftig lässt ein klar formuliertes Verbot keinen Spielraum für Interpretationen.

„Für den Erhalt der regionalen Braukultur ist es unerlässlich, zwei der wichtigsten Rohstoffe, nämlich Braugerste und Hopfen, durch Züchtung weiterentwickeln zu können“, betont Pöschko. „Die Pflanzen müssen auf den Klimawandel reagieren und auch sonstigen Umwelteinflüssen angepasst werden. Saatgut wurde über die Jahrhunderte immer wieder durch Züchtung verändert. Diese Entwicklungen müssen für alle frei zugänglich sein, Saatgut darf nicht zum Spielball von Großkonzernen werden“, sagt Niki Riegler, Eigentümer der Privatbrauerei Hirt und Sprecher in Sachen Patente der Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs.

Mit dem strengeren Patentverbot wird Österreich zum Vorreiter für ganz Europa. Letztlich profitiert die heimische Braukultur, so PÖschko: „Die regionalen Brautraditionen können auch in Zeiten des Klimawandels erhalten bleiben. Die unabhängigen Privatbrauereien in Österreich werden auch in Zukunft regionale Eigenheiten und geschmackliche Vielfalt ins Glas bringen, und nicht in Urheberrechtsstreitereien mit internationalen Anwaltskanzleien verwickelt werden.“

Mehr Informationen zu den Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs gibt es hier.

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Über die Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs

Die bunte Szene der regionalen Privatbrauereien macht in Österreich nur noch rund ein Drittel aus. Höchste Zeit, ein Zeichen zu setzen, finden die österreichischen Privatbrauereien. Aus diesem Grund haben sich 10 Privatbrauereien (Ottakringer, Stiegl, Murauer Freistädter, Hirt, Mohren, Schloss Eggenberg, Trumer, Schremser, Zwettler) im Jahr 2021 zu einem Verein zusammengeschlossen, um sich mit Hilfe eines Herkunfts-Siegels, das künftig auf allen Flaschen und Dosen sichtbar sein wird, transparent von internationalen Großkonzernen abzugrenzen. Heute sind bereits 45 Privatbrauereien Teil dieser Gruppe.

Unabhängige Privatbrauereien Österreichs
Peter-Jordan Straße 6/3
1190 Wien

Unabhängige Privatbrauereien Österreichs

Ute Watzlawick von Wine+Partners
Ute Watzlawick
Eigentümerin & Senior Projektmanagerin

Ute war nach ihrem Publizistikstudium als Journalistin tätig und ist seit dem Jahr 2000 Miteigentümerin von Wine&Partners. Heute ist sie vor allem für die Planung und Durchführung von Projekten verantwortlich. Persönlich betreut Ute derzeit Penfolds, die Vereinigung Unabhängige Privatbrauereien Österreichs, die Kellerei Tramin, die CulturBrauer, Gault&Millau und das Weingut Birgit Braunstein.

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