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In aller Munde: Local Exotics

von Marion Topitschnig
reife Zitronen

Ingwer, Erdnüsse und Reis aus nächster Nähe – der Klimawandel macht’s möglich. Neben dem Nachhaltigkeits-Plus für Konsument:innen bieten die „exotischen“ Lebensmittel aber vor allem Chancen für die Landwirt:innen.

„When life gives you lemons, make lemonade“ – ein beliebtes Sprichwort, um Optimismus und Zuversicht zum Ausdruck zu bringen. Um Möglichkeiten aufzuzeigen, die in einer manchmal problematischen Ausgangssituation schlummern. Zugegeben, Zitronen lassen uns auch an den Süden, an Sommer, Sonne und Urlaub denken – also alles halb so schlimm. Zumal die sauren Früchte auch in unseren Breiten jenseits der Alpen gedeihen, etwa beim österreichischen Zitrus-Pionier Michael Ceron in Kärnten oder im Schweizerischen Tropenhaus Frutigen.

Local Exotics nennt man es, wenn ursprünglich an einem Standort nicht heimische Sorten angebaut werden – exotischer Genuss aus nächster Nähe. Und seit einigen Jahren sind Local Exotics ein großes Trendthema mit Zukunftspotenzial, sowohl für Landwirt:innen als auch für Genießer:innen. Das beobachtet die Zukunftsforscherin Hanni Rützler, die Local Exotics in ihrem umfassenden Future Food Report als Trend listet, erstmals in der Publikation für 2022.

Change als Chance 

Neben dem immer größeren Bewusstsein von Konsument:innen für Nachhaltigkeit und die CO2-Bilanz von Produkten sieht sich die Landwirtschaft mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert. Extreme Wetterereignisse wie Hitzeperioden oder Trockenheit erzwingen ein Umdenken. Local Exotics stellen hier ein perfect match dar, denn mit ihnen wird das kulinarische Fernweh mit regionalen Angeboten gestillt. Und Bäuer:innen können auf die geänderten klimatischen Bedingungen reagieren und daraus folgend ein neues Marktsegment erschließen. Es gibt sogar bereits eigene Unternehmen, die sich auf die Beratung und Entwicklung von Konzepten für die Klimaanpassung in der Landwirtschaft spezialisiert haben. 

Werden exotische Obst- und Gemüsesorten regional angebaut, gelten – verglichen mit den eigentlichen Ursprungsländern – auch höhere Produktionsstandards wie beispielsweise jene für Bio-Landwirtschaft. Konsument:innen bekommen also nicht nur regionale, sondern bessere Produkte, insbesondere in Sachen Frische und Geschmack, denn lange Transportwege rund um den Globus entfallen.

Neben dem Klimawandel kann sicher auch die Pandemie als „Triebmittel“ für den regelrechten Boom der Local Exotics gesehen werden. Denn als Reisebeschränkungen aufrecht waren, musste der „Hunger“ auf Exotisches anders gestillt werden. Zudem gab es in dieser Zeit eine verstärkte Rückbesinnung auf Regionalität.

frischer Ingwer
Frischer Ingwer aus regionaler Landwirtschaft ist mittlerweile im Supermarkt erhältlich.

Ingwer und Garnelen

Landeten Local Exotics zunächst „nur“ in der Spitzengastronomie auf den Tellern, so haben sie nun ihren Weg in die Supermarktregale gefunden. Da findet man neben Ingwer, Reis, Physalis und Gojibeeren auch Süßkartoffeln oder Kichererbsen aus regionaler Landwirtschaft. Noch umfassender ist das Angebot bei Direktvermarkter:innen: Oliven von ehemaligen Wachauer Weinterrassen, Wassermelonen, Kiwibeeren oder Wasabi und Garnelen aus den Alpen gibt es da zu entdecken. Denn auch neue Technologien wie Aquaponik oder Indoor Farming befeuern den Local Exotics Trend und eröffnen neue Möglichkeiten für innovative Projekte. Das umfasst auch verarbeitete Produkte wie Misopaste aus Kichererbsen oder Sojasauce.

In Zukunft wird das Regional-Regal noch bunter und vor allem exotischer. Weder Landwirt:innen noch Konsument:innen müssen also im Hinblick auf exotische Lebensmittel in den sauren Apfel beißen, sondern lieber in eine Zitrone aus regionalem Anbau.

Mit modernster Technik produziert das burgenländische Unternehmen PhytonIQ Wasabi.
Mit modernster Technik produziert das burgenländische Unternehmen PhytonIQ Wasabi. ©PhytonIQ

Was sind Local Exotics?

Seit einigen Jahren ein Trend-Thema, versteht man unter Local Exotics ursprünglich nicht heimische Lebensmittel – üblicherweise handelt es sich um Obst- und Gemüsesorten – aus regionaler Landwirtschaft. Geänderte klimatische Bedingungen wie heißere und trockenere Perioden begünstigen einen Anbau von Feldfrüchten, die mit diesen Gegebenheiten besser „zurechtkommen“.